Was ist Sucht?

Infografik: Was ist Sucht?
War­um wir süch­tig wer­den. Kli­cken zum Ver­grö­ßern.

Machen Dro­gen süch­tig?

Das ist nicht so selbst­ver­ständ­lich, wie es scheint: Nur eine Min­der­heit der­je­ni­gen, die eine Dro­ge pro­bie­ren, wird süch­tig. Das gilt für har­te Dro­gen wie Hero­in, Koka­in und Chrys­tal Meth eben­so wie für Alko­hol, Can­na­bis oder Niko­tin.

Solan­ge wir das nicht wis­sen, nei­gen wir dazu, allein die Dro­ge ver­ant­wort­lich zu machen. Wir über­se­hen die Grün­de der Abhän­gig­keit in der Per­sön­lich­keit und Lebens­si­tua­ti­on des Süch­ti­gen. Dies wie­der­um macht es schwer, die Sucht zu über­win­den, denn bekannt­lich muss man ein Pro­blem erst ein­mal ver­ste­hen, um es lösen zu kön­nen.

Des­halb will die­ser Bei­trag zum bes­se­ren Ver­ständ­nis der Sucht bei­tra­gen. Er glie­dert sich in fol­gen­de Abschnit­te:

Zwei weg­wei­sen­de Stu­di­en aus den 1970er und 80er Jah­ren brin­gen den Kern der Sucht anschau­lich auf den Punkt.

Die ers­te han­delt von US-ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten, die aus dem Viet­nam­krieg zurück­kehr­ten. Bis zu 20 Pro­zent von ihnen hat­ten dort regel­mä­ßig Hero­in kon­su­miert, das zu den Dro­gen mit dem größ­ten Sucht­po­ten­ti­al zählt.

Das Über­ra­schen­de war, dass sie fast alle den Hero­in­kon­sum nach ihrer Rück­kehr in die Hei­mat wie­der auf­ga­ben, ganz ohne The­ra­pie, Ersatz­dro­gen oder sons­ti­ge Medi­ka­men­te.

Der uner­mess­li­che Stress eines als sinn­los emp­fun­de­nen, chao­ti­schen und bru­ta­len Kriegs­ein­sat­zes hat­te eine see­li­sche Not erzeugt, die sich mit Hero­in lin­dern ließ. Nach der Rück­kehr war die­ser Stress nicht mehr gege­ben, und mit ihm ver­schwand auch das Bedürf­nis nach Hero­in. Die Män­ner brauch­ten es nicht mehr und stell­ten den Kon­sum ein.1

Soldat mit Tochter auf dem Arm
Heim­kehr aus dem Alb­traum des Krie­ges

Die zwei­te Stu­die ist ein Tier­ver­such mit Rat­ten, der unter dem Stich­wort „rat park“ („Rat­ten­park“) geläu­fig ist.2

Die Ver­suchs­rat­ten, an denen man damals die Sucht erforsch­te, wur­den meist in klei­nen Käfi­gen gehal­ten. Die For­scher­grup­pe um den Psy­cho­lo­gen Bruce Alex­an­der sah dar­in ein Pro­blem: Rat­ten sind hoch­so­zi­al, ver­spielt und neu­gie­rig. Das iso­lier­te Leben in klei­nen Käfi­gen ist von ihren natür­li­chen Lebens­be­din­gun­gen weit ent­fernt.

Was konn­te man also dar­aus schluss­fol­gern, dass Rat­ten unter die­sen Bedin­gun­gen mor­phi­um­süch­tig wur­den? Muss­ten die ver­arm­ten Lebens­be­din­gun­gen der Käfig­rat­ten nicht ihre Emp­fäng­lich­keit für Sucht künst­lich in die Höhe trei­ben?

In die­ser klu­gen Fra­ge steckt bereits die Ant­wort. Ja, das war der Fall.

Der Auf­bau war recht ein­fach. Es gab zwei Ver­gleichs­grup­pen von Rat­ten. Die Tie­re der ers­ten Grup­pe leb­ten so, wie es für Labor­rat­ten üblich war: allein oder mit weni­gen Art­ge­nos­sen in kar­gen Käfi­gen. Für die zwei­te Grup­pe schuf man weit­ge­hend natür­li­che und freund­li­che Bedin­gun­gen, also ein gro­ßes Gehe­ge mit viel Grün, Klet­ter­ge­le­gen­hei­ten und Art­ge­nos­sen bei­der Geschlech­ter. Dies war der „Rat­ten­park“.

Alle Rat­ten hat­ten Zugang zu einer Mor­phi­um­lö­sung, die sie nach Belie­ben aus einem Behäl­ter schlür­fen konn­ten. Als zusätz­li­cher Anreiz war die Flüs­sig­keit gesüßt und für Rat­ten wohl­schme­ckend.

Das Ergeb­nis war wie erwar­tet: Vie­le der iso­lier­ten Käfig­rat­ten wur­den süch­tig und bedien­ten sich regel­mä­ßig am Mor­phi­um. Die glück­li­che­ren Park-Rat­ten zeig­ten deut­lich weni­ger Inter­es­se dar­an.

Ratten
Die Lebens­be­din­gun­gen von Rat­ten wirk­ten sich stark auf ihre Sucht­nei­gung aus

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Das Leben zwischen Käfig und Freizeitpark

Für die meis­ten von uns ist das Leben ein Mit­tel­ding zwi­schen Käfig und Park – nicht ide­al, aber auch nicht völ­lig freud­los. Aller­dings zeigt sich auch bei den Men­schen, dass här­te­re Lebens­be­din­gun­gen mit einer grö­ße­ren Wahr­schein­lich­keit ein­her­ge­hen, süch­tig zu wer­den. Mehr dazu lesen Sie unter War­um rau­chen Men­schen?

Ein wesent­li­cher Unter­schied zwi­schen Rat­ten und Men­schen ist jedoch, dass für uns die­sel­be räum­li­che und sozia­le Umge­bung sehr reich und sehr karg sein kann – und dass wir mehr oder weni­ger vie­le Mög­lich­kei­ten haben, unse­re Umge­bung zu ver­än­dern.

Wir neh­men vie­les nicht wahr, was wir wahr­neh­men könn­ten. Wir ler­nen vie­le Men­schen nicht ken­nen, die wir ken­nen­ler­nen könn­ten. Wir machen vie­le Erfah­run­gen nicht, die wir machen könn­ten – und so wei­ter.

Durch unzäh­li­ge klei­ne und grö­ße­re Wei­chen­stel­lun­gen die­ser Art ent­schei­den wir täg­lich dar­über, wie unser Leben aus­sieht. Ja, es gibt auch äuße­re Lebens­be­din­gun­gen, die wir nicht ändern kön­nen. Doch zu einem gro­ßen Teil bestim­men Sie durch Ihre Ein­stel­lung und Ihr Ver­hal­ten selbst, in was für einer Welt Sie leben – ob es eher ein Käfig ist oder eher ein beleb­ter Park.

Je mehr unser Leben als Käfig erscheint, des­to ver­füh­re­ri­scher und aus­weg­lo­ser ist die Sucht. Daher müs­sen wir uns mit unse­rem Leben, unse­ren Gewohn­hei­ten und unse­rer Per­sön­lich­keit aus­ein­an­der­set­zen, um uns von der Abhän­gig­keit zu eman­zi­pie­ren und unser Leben mehr als Park denn als Käfig zu gestal­ten.

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Sinn und Zugehörigkeit: Die tieferen Gründe der Sucht

Als „Hun­ger­geis­ter“ bezeich­net Gabor Maté uns Süch­ti­ge im Titel sei­nes Best­sel­lers „In the Realm of Hungry Ghosts“. Das trifft.

Hun­ger, weil wir unbe­frie­dig­te Bedürf­nis­se in uns tra­gen, die uns nie zur Ruhe kom­men las­sen.

Geis­ter, weil das Sucht­ver­hal­ten ein Kampf gegen eine Lee­re in uns ist, der die­se Lee­re gleich­zei­tig ver­fes­tigt. Das hält uns davon ab, unser Leben als im Jetzt und Hier ver­wirk­lich­te Per­so­nen zu leben.

Unse­re Leben­dig­keit hat sich ver­irrt und in der Sucht fest­ge­fah­ren. Wir stre­ben uner­müd­lich nach Bedürf­nis­be­frie­di­gung, doch wir suchen sie an der fal­schen Stel­le. Sucht ist nicht das Leben. Sie ist eine Simu­la­ti­on, die zu Las­ten des wirk­li­chen Lebens unse­re Ener­gie und Zeit ver­schlingt.

Wir füh­ren ein Dop­pel­le­ben. Wir sind nicht das, was wir zu sein schei­nen, denn wir hal­ten unse­re Sucht nach Mög­lich­keit ver­bor­gen – viel­leicht nicht das Rau­chen, aber die Sucht und die Gefüh­le der Angst, Scham und Bedürf­tig­keit, die ihr zugrun­de lie­gen. Stän­dig beglei­tet uns das Gefühl und Wis­sen, unser Leben nicht im Griff zu haben und immer wie­der etwas zu tun, das wir selbst für falsch hal­ten.

Das hat schwer­wie­gen­de Fol­gen für unse­re Bezie­hung zu uns selbst.

Wie sol­len wir uns zutrau­en, die gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen des Lebens zu meis­tern, wenn wir noch nicht ein­mal im Klei­nen und All­täg­li­chen unser eige­nes Ver­hal­ten unter Kon­trol­le haben?

Die­ser Wider­spruch zwi­schen unse­rem Wis­sen und Ver­hal­ten unter­gräbt unse­re per­sön­li­che Inte­gri­tät.

Die Brü­che in unse­rer Inte­gri­tät und unse­rem Selbst­ver­trau­en wie­der­um ent­frem­den uns von ande­ren Men­schen, weil Unsi­cher­heit und Angst uns davon abhal­ten, uns für ande­re zu öff­nen. Die­se Ent­frem­dung ver­grö­ßert die Lee­re, die Ängs­te und den Schmerz, die für die Sucht ver­ant­wort­lich sind.

Das Sucht­ver­hal­ten beru­higt – für den Moment. Doch gleich­zei­tig fügt die Sucht den vor­han­de­nen Ängs­ten neue hin­zu. Der bekann­te Teu­fels­kreis: Ich neh­me Dro­gen, weil ich Sor­gen und Pro­ble­me habe, und mit der Abhän­gig­keit kom­men wei­te­re Sor­gen und Pro­ble­me hin­zu.

Als Süch­ti­ge sind wir stän­dig auf der Flucht. Nie kom­men wir dazu, zu sein, was wir sein könn­ten, wenn wir das Leben mit unse­rer vol­len Kraft und Lei­den­schaft gestal­te­ten. Wir blei­ben in einer Sphä­re der Unei­gent­lich­keit, des „Eigent­lich-wür­de-ich-lie­ber“, des nicht ver­wirk­lich­ten Lebens, das als Poten­ti­al in uns steckt.

Hungergeister
Sucht ver­ur­sacht Brü­che in Inte­gri­tät und Selbst­ver­trau­en

Hun­ger­geis­ter.

Doch wie kam es dazu, dass wir auf die­sen Weg gera­ten sind?

Es kam dazu, weil uns etwas Wich­ti­ges fehl­te und die Sucht die­sem Gefühl des Feh­lens und der Lee­re not­dürf­tig ent­ge­gen­wirkt.

Was fehlt, ist ganz knapp aus­ge­drückt Sinn und Zuge­hö­rig­keit.

Süch­te regen zwei Hirn­sys­te­me an, die auch jede als sinn­voll erleb­te Akti­vi­tät sowie Gefüh­le der Lie­be und Ver­bun­den­heit tra­gen: das Dopa­min- und das Opio­id­sys­tem.

Dies macht wesent­lich die befrie­di­gen­de Qua­li­tät der Sucht­mit­tel aus. Wenn aus ver­ein­zel­ten Befrie­di­gungs­er­leb­nis­sen eine Abhän­gig­keit wird, kommt das Pro­blem hin­zu, dass sich genau die­se Form der Bedürf­nis­be­frie­di­gung durch die stän­di­ge Wie­der­ho­lung als fes­te Gewohn­heit ins Gehirn ein­schreibt und schließ­lich zum Zwangs­ver­hal­ten wird.

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Dopamin und der Motivationsapparat

Der Neu­ro­trans­mit­ter Dopa­min spielt bei allen Süch­ten eine zen­tra­le Rol­le.

Neu­ro­trans­mit­ter sind Boten­stof­fe, die im Ner­ven­sys­tem für die Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen Ner­ven­zel­len sor­gen. Dazu gehö­ren auch die Gehirn­zel­len. Wenn eine Ner­ven­zel­le akti­viert wird, schüt­tet sie an ihrem Ende (an der „Syn­ap­se“) Neu­ro­trans­mit­ter aus, die eine kur­ze Distanz zu angren­zen­den Ner­ven­zel­len über­win­den und die­se eben­falls akti­vie­ren, indem sie an ihren Rezep­to­ren ando­cken. Dies sind sozu­sa­gen die Emp­fangs­sta­tio­nen, die jeweils für bestimm­te Neu­ro­trans­mit­ter geformt sind.

Ver­schie­de­ne Hirn­sys­te­me ver­wen­den ver­schie­de­ne Neu­ro­trans­mit­ter, um durch die Akti­vie­rung vie­ler Ner­ven­zel­len in bestimm­ten Mus­tern Gedan­ken, Gefüh­le, Moti­va­tio­nen und Hand­lun­gen zu erzeu­gen.

Dopa­min wird manch­mal als „Glücks­hor­mon“ bezeich­net, doch das ist nur die hal­be Wahr­heit. Es wirkt nicht nur befrie­di­gend, son­dern ist vor allem der zen­tra­le Treib­stoff des Moti­va­ti­ons­sys­tems.

Die dopa­min­ge­trie­be­nen Schalt­krei­se moti­vie­ren unser Han­deln, wenn wir eine ersehn­te Befrie­di­gung am Hori­zont sehen, aber noch nicht erlangt haben. Schon die­ses Sich­ten der Befrie­di­gung ist lust­voll, wenn wir uns Chan­cen zuschrei­ben, sie auch zu bekom­men.3

Dass bereits im Stre­ben und Seh­nen Befrie­di­gung steckt, ist viel­leicht ein unge­wöhn­li­cher Gedan­ke. Doch wir ken­nen es alle aus eige­ner Erfah­rung und Beob­ach­tung. Den­ken Sie zum Bei­spiel an sport­li­che Wett­kämp­fe, an jeman­den, der sich bei der Arbeit ins Zeug legt, oder an Bemü­hun­gen um ein Ren­dez­vous.

Bergsteiger: Hohe Ziele
Bei­spiel Berg­stei­ger: Sinn­vol­le Zie­le machen har­te Arbeit befrie­di­gend

Alle die­se Akti­vi­tä­ten sind lust­voll, weil sie auf sinn­vol­le Zie­le gerich­tet sind: Beim Fuß­ball­spiel das nächs­te Tor, der Sieg und der Auf­stieg; bei der Arbeit der Pro­jekt­er­folg, die Aner­ken­nung oder eine Beför­de­rung; beim Ren­dez­vous ein Sich-Ver­lie­ben, eine Bezie­hung und/oder Sex.

Die Ver­hei­ßung der Zie­le strahlt auf die Akti­vi­tä­ten aus, die auf die­se Zie­le gerich­tet sind. Dadurch erhal­ten die Akti­vi­tä­ten selbst ein Stück Befrie­di­gung. Wir erle­ben sie als sinn­voll. Sie bele­ben uns und span­nen einen Bogen von der erleb­ten Gegen­wart zu einer ver­lo­cken­den Zukunft vol­ler attrak­ti­ver Mög­lich­kei­ten.

Ver­ant­wort­lich dafür ist unser dopa­min­ge­trie­be­ner Moti­va­ti­ons­ap­pa­rat oder mit der Bezeich­nung von Gabor Maté das „Anreiz-Moti­va­tions-Sys­tem“.4

Der Sucht­pro­zess kommt in Gang, wenn wir eine Dro­ge kon­su­mie­ren oder ein Ver­hal­ten aus­pro­bie­ren und dies als befrie­di­gend erle­ben. Sobald wir spä­ter dar­an den­ken, das Erleb­nis zu wie­der­ho­len, wird Dopa­min aus­ge­schüt­tet und wir erhal­ten eine inne­re Bot­schaft: „Ja, das ist gut. Du willst das.“

Das Moti­va­ti­ons­sys­tem ist evo­lu­tio­när sehr alt und in sei­nen Grund­zü­gen auch bei ein­fa­che­ren Tie­ren vor­han­den. Es gehört zu den rohen, ani­ma­li­schen Tei­len des Gehirns. Dies ist auch der Grund dafür, dass wir oft mit ver­nünf­ti­gen Über­le­gun­gen nicht gegen Ver­su­chun­gen ankom­men. Ver­nünf­ti­ge Über­le­gun­gen ste­hen auf ver­lo­re­nem Pos­ten, wenn die rohe Maschi­ne­rie die­ser basa­len Über­le­bens­sys­te­me die Herr­schaft über­nimmt.

Wäh­rend wir uns auf bewuss­ter Ebe­ne viel­leicht idio­tisch vor­kom­men, wenn wir wie­der zur Ziga­ret­te grei­fen, spielt sich im Unter­ge­schoss etwas ande­res ab. Das Moti­va­ti­ons­sys­tem sen­det in alle Tei­le des Gehirns unüber­hör­bar sei­ne Bot­schaft: „Das ist dein Ziel, das ist das, was du willst, das ist das, was dir Befrie­di­gung bringt, die Ant­wort auf dei­ne Fra­gen und die Lin­de­rung dei­ner Not. Greif zu! Jetzt!“

Sol­che Bot­schaf­ten sen­det es auch in ganz nor­ma­len Situa­tio­nen, etwa beim Sport oder bei der Vor­freu­de auf ein Date – sie­he oben. Im Fall der Sucht wer­den sie aber beson­ders mäch­tig, wer­den zum Zwangs­ver­hal­ten, weil wir einen immer glei­chen Zir­kel von Stre­ben und Befrie­di­gung so oft wie­der­holt haben. Dadurch hat sich das Gehirn immer mehr dar­auf spe­zia­li­siert, bestimm­te Bedürf­nis­se so und nicht anders zu befrie­di­gen.

Ich spre­che hier bewusst all­ge­mein von Süch­ten statt nur von Ziga­ret­ten oder Niko­tin, weil alle Süch­te trotz ihrer Unter­schie­de etwas gemein­sam haben. Dies umfasst nicht nur sub­stanz­för­mi­ge Sucht­mit­tel wie Alko­hol und Koka­in, son­dern auch ver­hal­tens­ba­sier­te Süch­te wie die Spiel- oder Inter­net­sucht.

Letz­te­re wer­den manch­mal belä­chelt und als blo­ßer Man­gel an Dis­zi­plin abge­tan. Rich­tig ist dabei, dass die Über­gän­ge flie­ßend sind. Ist bei­spiels­wei­se jemand süch­tig, der täg­lich Sport treibt und dem etwas fehlt, wenn er es nicht kann? Viel­leicht ein biss­chen, und viel­leicht ist das kein Pro­blem, weil es ihm mehr gut­tut als scha­det.

Doch wenn jemand bereits ver­schul­det ist und alles Geld, das er in die Hand bekommt, in den Spiel­au­to­ma­ten wirft, oder auf­grund exzes­si­ver Inter­net­nut­zung Job und Freun­de ver­liert, ist das offen­sicht­lich nicht ein­fach nur gro­ßer Spaß an einem Hob­by.

Das wohl ein­deu­tigs­te Kri­te­ri­um für Sucht ist die Unfä­hig­keit, mit dem Kon­sum oder Ver­hal­ten auf­zu­hö­ren, obwohl man es möch­te. Psy­cho­lo­gisch inter­es­san­ter ist aber die Tat­sa­che, dass der Süch­ti­ge regel­mä­ßig bestimm­ter äuße­rer Hilfs­mit­tel bedarf, um sei­nen Gefühls­zu­stand zu regu­lie­ren. Wenn das der Fall ist, kommt es nicht so sehr dar­auf an, ob der Dopa­min-Schub im Gehirn durch eine Ziga­ret­te, exzes­si­ves Essen, Alko­hol oder ein Com­pu­ter­spiel aus­ge­löst wird.

Die Beson­der­heit einer Ziga­ret­te besteht hier nur dar­in, dass ihr Niko­tin direkt das Dopa­min­sys­tem akti­viert. Es bedarf dazu nicht des Umwe­ges über Stre­ben und Vor­freu­de, obwohl die­se dazu­kom­men. Nach der Auf­nah­me des Rau­ches über die Lun­ge gelangt das Niko­tin in Sekun­den­schnel­le ins Blut und ins Gehirn, wo es einen Dopa­min­schub aus­löst. Sinn und Befrie­di­gung auf Knopf­druck.

Grund­sätz­lich ist ein Dopa­min­rausch nichts Schlech­tes. Im Gegen­teil! Das Moti­va­ti­ons­sys­tem mar­kiert für uns erstre­bens­wer­te Zie­le und belohnt uns mit ange­neh­men Gefüh­len, wenn wir sie ver­fol­gen. Pas­sier­te das nicht, wür­de sich alle Akti­vi­tät sinn­los anfüh­len.

Nur sind eben Ziga­ret­ten, Dro­gen und Sucht­ver­hal­ten kei­ne guten Zie­le. Sie scha­den uns. Gleich­zei­tig rau­ben sie ande­ren mög­li­chen Zie­len die Moti­va­ti­ons­en­er­gie. Des­halb keh­ren wir immer wie­der zur Sucht zurück, obwohl wir wis­sen, dass es viel bes­se­re Lebens­zie­le gäbe.

Wir wis­sen es mit dem Intel­lekt, mit der Ver­nunft, aber unser moti­va­tio­na­les Unter­ge­schoss weiß es nicht – oder viel­leicht bes­ser: glaubt nicht dar­an.

Es glaubt nicht dar­an, weil es das erfolg­rei­che Stre­ben nach die­sen bes­se­ren Zie­len nicht oft genug, nicht inten­siv genug oder noch gar nicht erlebt hat.

Genau das müs­sen wir ändern. Dies beginnt damit, eine kon­kre­te, greif­ba­re und attrak­ti­ve Vor­stel­lung sol­cher Zie­le zu ent­wi­ckeln.

Vor­stel­lungs­bil­der sind in ihrer Macht nicht zu unter­schät­zen. Eben­so, wie wir unser Leben lang Angst vor etwas haben kön­nen, das nur in unse­rer Vor­stel­lung exis­tiert, kön­nen wir auch mit Vor­stel­lun­gen unser Moti­va­ti­ons­sys­tem in Gang set­zen und in eine neue, posi­ti­ve Rich­tung len­ken.

Wenn Sie die her­kömm­li­che „Metho­de Wil­lens­kraft“ ver­wen­den, um mit dem Rau­chen auf­zu­hö­ren, stem­men Sie sich gegen Ihr Moti­va­ti­ons­sys­tem, das Sie zum Rau­chen trei­ben will. Es ver­spricht bes­se­re Erfolgs­chan­cen, nicht gegen ihr Moti­va­ti­ons­sys­tem zu kämp­fen, son­dern sei­ne Ener­gie für die Ver­wirk­li­chung Ihres alter­na­ti­ven Lebens­ent­wurfs ohne Ziga­ret­ten ein­zu­span­nen.

Doch die For­mu­lie­rung von Zie­len dient nicht nur der Moti­va­ti­on, son­dern schlicht auch der Pla­nung. Wir errei­chen nichts, wenn wir auf nichts zie­len. Wir errei­chen eben­falls nichts, wenn wir kei­ne Vor­stel­lung davon haben, wie es sich errei­chen lie­ße – also kei­nen Plan für die Umset­zung. Wenn wir bei­des haben, wis­sen wir, was wir zu tun haben, und unser Leben hat Sinn.

Eine Anlei­tung für sol­che Ziel­set­zung und Pla­nung fin­den Sie unter „Ver­ant­wor­tung über­neh­men“. Hier geht es wei­ter mit dem zwei­ten Teil des Duos „Sinn und Zuge­hö­rig­keit“.

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Das Opioidsystem: Liebe und Verbundenheit

Neben dem Dopa­min setzt Niko­tin – und set­zen ande­re Sucht­mit­tel – noch wei­te­re Neu­ro­trans­mit­ter frei. Beim Niko­tin gehört dazu Beta-Endor­phin, das wie ande­re Endor­phi­ne schmerz­stil­lend und eupho­ri­sie­rend wirkt.

Was hat das mit Lie­be und Gemein­schaft zu tun? Eine Men­ge. Endor­phi­ne sind kör­per­ei­ge­ne Dro­gen, die dafür sor­gen, dass Lie­be und Gemein­schaft mit ande­ren Men­schen wohl­tu­end und befrie­di­gend sind. Die schmerz­stil­len­de Wir­kung ist nur ein Teil­as­pekt die­ses über­ge­ord­ne­ten Zwecks.

Hier­zu Gabor Maté:

Endor­phi­ne sind die che­mi­schen Kata­ly­sa­to­ren für unser Erle­ben grund­le­gen­der Emo­tio­nen, die mensch­li­ches Leben sowie das Leben von Säu­ge­tie­ren über­haupt erst ermög­li­chen. Zu ihren wich­tigs­ten Funk­tio­nen gehört, eine emo­tio­na­le Bin­dung zwi­schen Mut­ter und Kind her­zu­stel­len.

Die Rol­le der Endor­phi­ne im mensch­li­chen Gefühls­haus­halt wur­de von einer Stu­die mit bild­ge­ben­den Ver­fah­ren ver­an­schau­licht, an der 14 gesun­de Frau­en teil­nah­men. Ihre Gehirn­ak­ti­vi­tät wur­de auf­ge­zeich­net, wäh­rend sie sich in einem neu­tra­len Gefühls­zu­stand befan­den, und dann noch ein­mal, nach­dem sie gebe­ten wur­den, sich an ein trau­ri­ges Erleb­nis zu erin­nern. Zehn von ihnen dach­ten an den Tod einer gelieb­ten Per­son, drei an Tren­nun­gen von ihren Part­nern, eine kon­zen­trier­te sich auf einen Streit mit einem engen Freund. Anhand einer Kon­trast­flüs­sig­keit zeig­te der Scan die Akti­vi­tät von Opio­id-Rezep­to­ren in den emo­tio­na­len Zen­tren der Gehir­ne aller Teil­neh­me­rin­nen. Wäh­rend die Frau­en von trau­ri­gen Erin­ne­run­gen erfüllt waren, zeig­ten die Opio­id-Rezep­to­ren deut­lich weni­ger Akti­vi­tät.

Ich weiß nicht, ob hier Rau­che­rin­nen dabei waren, aber wenn ja, hat­ten sie sicher Lust auf eine Ziga­ret­te. Die­se hät­te eine Aus­schüt­tung von Beta-Endor­phi­nen ver­ur­sacht, wel­che die Opio­id-Schalt­krei­se belebt und der Trau­rig­keit die Spit­ze genom­men hät­ten.

Auf der ande­ren Sei­te schal­ten posi­ti­ve Erwar­tun­gen das Endor­phin-Sys­tem an. For­scher haben bei­spiels­wei­se beob­ach­tet, dass die Akti­vi­tät der Opio­id-Rezep­to­ren steigt, wenn Men­schen das Abklin­gen eines Schmer­zes erwar­ten. Auch die Ver­ab­rei­chung unwirk­sa­mer Medi­ka­men­te – Sub­stan­zen, die kei­nen direk­ten phy­si­ka­li­schen Effekt haben – akti­viert die Opio­id-Rezep­to­ren und führt so zu einem redu­zier­ten Schmerz­emp­fin­den. Dies ist der soge­nann­te Pla­ce­bo-Effekt, der weit davon ent­fernt ist, nur Ein­bil­dung zu sein, son­dern ein ech­ter phy­sio­lo­gi­scher Vor­gang ist. Das Medi­ka­ment ist unwirk­sam, doch das Gehirn wird durch die ihm eige­nen Schmerz­mit­tel beru­higt, die Endor­phi­ne.

Eine Sucht nach Opi­aten wie Mor­phi­um und Hero­in ent­steht in einem Hirn­sys­tem, wel­ches die mäch­tigs­te emo­tio­na­le Dyna­mik des mensch­li­chen Daseins regu­liert: den Bin­dungs­in­stinkt. Lie­be.
Es ist das Bedürf­nis nach phy­si­scher und emo­tio­na­ler Nähe zu ande­ren Men­schen. Es sichert das Über­le­ben von Säug­lin­gen, indem es eine gegen­sei­ti­ge Ver­bun­den­heit zwi­schen Mut­ter und Kind her­stellt. Das gan­ze Leben hin­durch treibt uns die­ses Bedürf­nis, nach Bezie­hun­gen und Gesell­schaft zu stre­ben, erhält Fami­li­en­be­zie­hun­gen und hilft bei der Bil­dung von Gemein­schaf­ten. Wenn Endor­phi­ne an den Opio­id-Rezep­to­ren ando­cken, akti­vie­ren sie die Che­mie von Lie­be und Ver­bun­den­heit. So tra­gen sie dazu bei, uns zu den sozia­len Wesen zu machen, die wir sind.

Als kör­per­ei­ge­ne Dro­gen und Schmerz­mit­tel ermög­li­chen Endor­phi­ne es Säug­lin­gen und Klein­kin­dern, trotz der vie­len klei­nen Unfäl­le, die ihre Erkun­dung der Welt mit sich bringt, aktiv zu blei­ben. Inter­es­sant ist dabei, dass der Hirn­be­reich, in dem wir Schmerz regis­trie­ren, der ante­rio­re cin­gu­lä­re Cor­tex, auch bei dem Erle­ben sozia­ler Zurück­wei­sung aktiv ist.

Mit ande­ren Wor­ten, wir „füh­len“ phy­si­schen und emo­tio­na­len Schmerz im sel­ben Teil des Gehirns – und dies wie­der­um spielt eine wich­ti­ge Rol­le bei unse­rer Ver­bun­den­heit mit ande­ren, die für uns wich­tig sind. Unter nor­ma­len Bedin­gun­gen hält uns der emo­tio­na­le Schmerz des Getrennt­seins nahe bei­ein­an­der, wenn wir die­se Nähe am meis­ten brau­chen.5

Haben Sie schon mal den Impuls ver­spürt, jeman­den in den Arm zu neh­men oder sei­ne Hand zu hal­ten, der Schmer­zen hat­te oder trau­rig war? Genau dar­um geht es hier. Wir wis­sen instink­tiv, dass es hilft, weil der Zusam­men­hang von Trost und Nähe so tief in uns ver­wur­zelt ist.

Mutter mit Kind auf dem Arm
Kör­per­li­che und emo­tio­na­le Nähe ist lebens­wich­tig

Men­schen sind hoch­so­zia­le Wesen. Dies spie­gelt sich in Mecha­nis­men des Gehirns wider, die Ver­bun­den­heit und Har­mo­nie mit Wohl­be­fin­den beloh­nen und Iso­la­ti­on mit Schmerz bestra­fen.

Wäh­rend das Dopa­min also wesent­lich für die eher anre­gen­de Wir­kung der Ziga­ret­te ver­ant­wort­lich ist, ver­mit­teln die Beta-Endor­phi­ne ein Gefühl der Sicher­heit und Gebor­gen­heit und ver­trei­ben Gefüh­le der Ein­sam­keit und Iso­la­ti­on.

Das ist eini­ger­ma­ßen fatal. Ziga­ret­ten sind eben­so­we­nig ein sinn­vol­ler Lebens­in­halt, wie sie ein Ersatz für mensch­li­che Bezie­hun­gen sind. Es fühlt sich aber eben so an. Und wäh­rend wir uns die­ser Simu­la­ti­on von Sinn und Zuge­hö­rig­keit hin­ge­ben, hal­ten wir uns davon ab, die jeweils ech­te Ver­si­on zu suchen.

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Tunnelblick: nur das eine

Die Erschei­nungs­for­men von Sinn und Zuge­hö­rig­keit sind unend­lich viel­fäl­tig. Sie erge­ben zusam­men das, was man unter einem erfüll­ten Leben ver­steht.

Die Befrie­di­gung der Dro­ge ist dage­gen ste­reo­typ. Sie ist immer gleich, sagt uns nichts Neu­es und bringt uns nicht wei­ter. Die Sucht führt uns in einen mecha­ni­schen Kreis­lauf: befrie­di­gen­des Erleb­nis → Stre­ben nach Wie­der­ho­lung → befrie­di­gen­des Erleb­nis → Stre­ben nach Wie­der­ho­lung → befrie­di­gen­des Erleb­nis → Stre­ben nach Wie­der­ho­lung und so wei­ter.

Dies führt zum drit­ten Haupt­as­pekt der Abhän­gig­keit auf der Ebe­ne des Gehirns. Denn wenn es auch plau­si­bel ist, dass die oben beschrie­be­nen Emp­fin­dun­gen von Sinn und Lie­be sich gut anfüh­len, ist damit noch nicht erklärt, wie dar­aus ein Zwangs­ver­hal­ten wird.

Dazu gehört zunächst ein­mal, dass der Betrof­fe­ne emp­fäng­lich für die Wir­kung der Dro­ge oder für das Sucht­ver­hal­ten ist, wenn er das ers­te Mal damit in Kon­takt kommt. Er befin­det sich mehr oder weni­ger in einer see­li­schen Not­la­ge, auf wel­che das Sucht­ver­hal­ten die per­fek­te Ant­wort zu bie­ten scheint. (Dazu mehr im fol­gen­den Abschnitt.) Er nimmt die Dro­ge also ein zwei­tes, ein drit­tes, ein vier­tes Mal.

So kommt all­mäh­lich der Sucht­mo­tor in Gang. Jede Wie­der­ho­lung des Zir­kels stärkt nun die Hirn­struk­tu­ren, die durch das Sucht­ver­hal­ten akti­viert wer­den. Je mehr Wie­der­ho­lun­gen wir hin­ter uns haben, des­to mehr wird das stän­di­ge Durch­lau­fen des Zir­kels zu einem fes­ten Teil unse­rer Per­sön­lich­keit, und des­to mehr drängt sich genau die­se Befrie­di­gung als nächst­lie­gen­de Lösung auf, wenn wir uns nach Sinn und Zuge­hö­rig­keit seh­nen.

Was der Sucht somit zugrun­de liegt, ist der an sich nor­ma­le Mecha­nis­mus des Ler­nens, der hier aber außer Kon­trol­le gera­ten ist. Mit den Wor­ten von Marc Lewis:

Das Gehirn wäre nutz­los, wenn es nicht höchst fle­xi­bel auf Ereig­nis­se in der Welt reagie­ren wür­de. Doch da wir auch Sta­bi­li­tät in unse­ren Wahr­neh­mun­gen, Begrif­fen und Hand­lun­gen brau­chen, um durch den Tag zu kom­men und für die Zukunft zu pla­nen, schla­gen sich Hirn­ver­än­de­run­gen fast immer in Gewohn­hei­ten nie­der. Und wenn Gewohn­hei­ten ein­mal geformt sind – sogar klei­ne –, blei­ben sie erhal­ten, manch­mal für den Rest unse­res Lebens.

Neue Ner­ven­bah­nen und die damit kor­re­spon­die­ren­den Mus­ter des Den­kens und Ver­hal­tens begin­nen tas­tend und schwan­kend, doch nach­dem sie wie­der­holt akti­viert wur­den, ver­wur­zeln sich die ers­ten zar­ten Ver­bin­dun­gen tie­fer, wer­den kon­kre­ter und sind schließ­lich wie in Stein gemei­ßelt – oder wenigs­tens in Fleisch. Daher nei­gen Gehirn­ver­än­de­run­gen ganz natür­lich dazu, sich zu sta­bi­li­sie­ren und zu kris­tal­li­sie­ren. Und wenn sich neue Ver­än­de­run­gen erge­ben, resta­bi­li­sie­ren sie sich. Mit einem Gehirn, dass sich unbe­re­chen­bar mit jedem zufäl­li­gen Ereig­nis ver­än­der­te, könn­ten wir nicht viel anfan­gen. Ver­än­de­rung und Sta­bi­li­sie­rung gehen also Hand in Hand. Mit einem Wort: Das ist Ler­nen. Es ist außer­dem ein … wesent­li­cher Punkt, wenn es dar­um geht, Sucht zu ver­ste­hen.6

Das Gehirn eines Süch­ti­gen ist über­spe­zia­li­siert. Es kann nicht nur die­se Art der Befrie­di­gung suchen, son­dern es kann schließ­lich in bestimm­ten Gefühls­la­gen nur noch die­se Befrie­di­gung suchen. Sie hat sich immer tie­fer als Stan­dard ein­ge­gra­ben und dabei denk­ba­re Alter­na­ti­ven ver­drängt.

Daher ist eine kör­per­li­che Abhän­gig­keit zugleich psy­chisch, eine psy­chi­sche zugleich kör­per­lich: Mit ihr kor­re­spon­die­ren Gehirn­struk­tu­ren, die sich durch das Sucht­ver­hal­ten gebil­det haben. Um die Sucht zu über­win­den, müs­sen wir sie wie­der umfor­men.

Verzerrter Sinn für Zeit
In der Sucht bewe­gen wir uns nicht vor­wärts, son­dern dre­hen uns im Kreis

Dazu brau­chen wir zum einen bes­se­re Zie­le als alter­na­ti­ven Inhalt für das Moti­va­ti­ons­sys­tem wie oben beschrie­ben. Zum zwei­ten brau­chen wir einen Per­spek­tiv­wech­sel, der uns klar vor Augen führt, dass wir dem Ruf der Sucht nicht fol­gen müs­sen, auch wenn wir das Gefühl haben, wir müss­ten.

Um die bes­se­ren Ziel­set­zun­gen geht es unter „Ver­ant­wor­tung über­neh­men“, Tipps zur Eman­zi­pa­ti­on von den quä­len­den Gefüh­len und Gedan­ken des Ent­zugs fin­den Sie unter „Ent­zugs­er­schei­nun­gen lin­dern“.

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Woher kommt die Leere?

Ich habe ein­gangs erwähnt, dass längst nicht alle Men­schen süch­tig wer­den, die mit Dro­gen in Kon­takt kom­men. Das glei­che gilt für ver­hal­tens­ba­sier­te Süch­te. Die meis­ten kön­nen mit Freu­de essen und mit Ver­gnü­gen spie­len ohne eine Ess- oder Spiel­sucht zu ent­wi­ckeln. Wor­an liegt es also, dass man­che der Sucht ver­fal­len?

Es gibt ver­schie­de­ne Erklä­rungs­an­sät­ze, die aber eben­so wie die Erschei­nungs­bil­der der Sucht einen gemein­sa­men Nen­ner haben.

Der Psy­cho­lo­ge Bruce Alex­an­der hat den Kern­ge­dan­ken sei­nes oben erwähn­ten Rat­ten­park-Expe­ri­ments spä­ter wei­ter aus­ge­ar­bei­tet. In sei­nem Buch „The Glo­ba­li­za­ti­on of Addic­tion„7 ver­tritt er mit einer Fül­le von Bele­gen den Stand­punkt, dass Süch­te sich in der moder­nen Welt immer mehr aus­brei­ten, weil Men­schen durch die rapi­de sozia­le Ent­wick­lung und die moder­ne Lebens­art aus tra­di­tio­nel­len Struk­tu­ren und Gemein­schaf­ten her­aus­ge­ris­sen wer­den. Das bedeu­tet eine gewis­se Ver­ein­ze­lung und den Ver­lust des kul­tu­rel­len Rah­mens, der ein Men­schen­le­ben frü­her in ein rela­tiv sta­bi­les Netz von Bezie­hun­gen ein­bet­te­te und ihm damit Sinn stif­te­te.

Das passt zur Dia­gno­se, dass Süch­te ein not­dürf­ti­ger Ersatz für Sinn und Zuge­hö­rig­keit sind. Es erklärt aber zunächst nicht, war­um nur man­che Men­schen süch­tig wer­den. Wir leben ja alle in der­sel­ben rela­tiv ent­wur­zel­ten, schnel­len und indi­vi­dua­li­sier­ten Welt.

Hier soll­ten wir aber im Blick behal­ten, dass Sucht­ver­hal­ten viel­fäl­tig und in ver­schie­de­nen For­men sozi­al akzep­tiert ist. Das Para­de­bei­spiel dafür ist der Worko­ho­lic, der das Arbei­ten nicht las­sen kann und dar­über sei­ne Bezie­hun­gen, sei­ne Gesund­heit und sein Lebens­glück ver­nach­läs­sigt. Er bekommt im Gegen­satz zum Dro­gen­ab­hän­gi­gen sozia­le Aner­ken­nung für sein Sucht­ver­hal­ten, das als Fleiß erscheint und sich in beruf­li­chem Erfolg äußert.

Auch das Essen von Süßig­kei­ten oder Fast Food, das Fischen nach Likes in sozia­len Netz­wer­ken oder inten­si­ver Medi­en­kon­sum (der sprich­wört­li­che „Nach­rich­ten­jun­kie“) kön­nen Ablen­kung und Trös­ter sein, die man regel­mä­ßig dazu her­an­zieht, einen sonst schwer erträg­li­chen Gefühls­zu­stand zu regu­lie­ren. Und man kann davon abhän­gig wer­den, ohne dass es groß auf­fal­len wür­de.

So ergibt sich ein dif­fe­ren­zier­te­res Bild, zumal wenn man sich vor Augen hält, dass die Über­gän­ge flie­ßend sind.

Den­noch gibt es natür­lich indi­vi­du­el­le Unter­schie­de. Die­se erklä­ren sich zum Teil aus den Bezie­hun­gen, die wir als Kin­der zu unse­ren pri­mä­ren Bezugs­per­so­nen hat­ten.

Das Gefühls­le­ben eines Kin­des ist zunächst wild, ener­gie­ge­la­den und chao­tisch. Es braucht Zeit, um sich zu ord­nen, und das Kind muss ler­nen, sei­ne Gefüh­le zu ver­ste­hen, zu kom­mu­ni­zie­ren und zu regu­lie­ren. Dies kann es nur durch die Bezie­hung zu emo­tio­nal rei­fen Erwach­se­nen, die ihm Sicher­heit bie­ten und mit einem gewis­sen Ein­füh­lungs­ver­mö­gen auf sei­ne Bedürf­nis­se und Gefüh­le reagie­ren.

Die­se lie­be­vol­le Auf­merk­sam­keit und Für­sor­ge der Bezugs­per­so­nen ist unver­zicht­ba­re Nah­rung für die Ent­wick­lung der See­le.

Alle Säu­ge­tier-Müt­ter – und auch vie­le mensch­li­che Väter – geben ihren Säug­lin­gen eine sinn­li­che Sti­mu­la­ti­on, die sich lang­fris­tig posi­tiv auf deren Gehirn­che­mie aus­wirkt. Die­se Sti­mu­la­ti­on ist der­art wich­tig für die gesun­de see­li­sche Ent­wick­lung eines Men­schen­kin­des, dass Babys, die nie auf den Arm genom­men wer­den, schlicht ster­ben. Sie stres­sen sich zu Tode. Früh­ge­bo­re­ne Säug­lin­ge, die für Wochen oder Mona­te in Brut­käs­ten leben, zei­gen bereits ein schnel­le­res Wachs­tum des Gehirns, wenn sie bloß zehn Minu­ten am Tag gestrei­chelt wer­den.8

Die Brü­che in den früh­kind­li­chen Bezie­hun­gen, die län­ger­fris­tig zu einem Man­gel an Sinn und Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl füh­ren, kann man auf den gemein­sa­men Nen­ner emo­tio­na­ler Nicht­ver­füg­bar­keit der Bezugs­per­so­nen zurück­füh­ren.

Vernachlässigtes Kind
Emo­tio­nal ver­füg­ba­re Bezugs­per­so­nen sind für eine gesun­de see­li­sche Ent­wick­lung unver­zicht­bar

Wenn erwach­se­ne Bezugs­per­so­nen nicht oder nur ein­ge­schränkt emo­tio­nal ver­füg­bar sind, kann sich der Gefühls­haus­halt des Kin­des nicht in dem Maße ord­nen und sta­bi­li­sie­ren, wie es nor­mal und wün­schens­wert wäre. Zurück blei­ben das Seh­nen nach der emo­tio­na­len Gebor­gen­heit, die es gebraucht hät­te und nicht bekam, und die Unsi­cher­heit, die durch den Man­gel an Kon­trol­le über die eige­nen Emo­tio­nen ent­steht.

Eige­ne Gefüh­le, die wir nicht unter Kon­trol­le haben, kön­nen über­wäl­ti­gend sein, beson­ders für ein Kind. Die Angst davor führt dazu, dass Kin­der, denen ein emo­tio­nal ver­füg­ba­res Gegen­über fehlt, ihre Gefüh­le unter­drü­cken und sich vom eige­nen Gefühls­er­le­ben ent­frem­den.

Die­se Ent­frem­dung erzeugt den Man­gel an Sinn und Zuge­hö­rig­keit oder trägt zumin­dest zu ihm bei. Gleich­zei­tig gilt es Ängs­te zu betäu­ben; auf der einen Sei­te vor der emo­tio­na­len Über­wäl­ti­gung und auf der ande­ren vor den Gefah­ren der Außen­welt, die umso bedroh­li­cher erschei­nen, je weni­ger ein Mensch den Rück­halt sta­bi­ler Bezie­hun­gen hat.

Dazu kom­men Scham­ge­füh­le, denn das Aus­blei­ben einer Ant­wort auf die Gefüh­le des Kin­des ver­mit­telt die­sem die Bot­schaft, dass mit ihm etwas nicht stim­me. Auch auf den Man­gel an Kon­trol­le über das eige­ne Gefühls­le­ben bie­tet die Sucht eine Ant­wort, da sie ein immer ver­füg­ba­res Mit­tel ist, die Gefühls­la­ge auf Knopf­druck in einen ver­trau­ten „grü­nen Bereich“ zu brin­gen.

Auf Knopf­druck heißt hier auch: unab­hän­gig von ande­ren Men­schen. Sich ein Gefühl der Gebor­gen­heit ver­schaf­fen zu kön­nen, ohne auf ande­re Men­schen ange­wie­sen zu sein, ist begreif­li­cher­wei­se reiz­voll für jeden, der ver­las­sen, ver­letzt oder ent­täuscht wur­de.

So kann die Hin­ga­be an die Dro­ge para­do­xer­wei­se Aus­druck eines Ver­suchs der Selbst­be­haup­tung sein: „Jetzt mache ich mal das, was ich will und was mir gut tut und pfei­fe dar­auf, was die ande­ren wol­len und den­ken“.

Die For­schung ist sich einig, dass die Wir­kung des Niko­tins auf das Dopa­min- bzw. Moti­va­ti­ons­sys­tem die Haupt­ver­ant­wor­tung für die Ziga­ret­ten­sucht trägt. Doch neben den beschrie­be­nen Wir­kun­gen des Dopa­mins und Beta-Endor­phins hel­fen noch ande­re vom Niko­tin frei­ge­setz­te Boten­stof­fe, unse­ren inne­ren Zustand zu kon­trol­lie­ren und in einen ange­neh­men Bereich zu brin­gen:

  • Sero­to­nin hilft bei der Stim­mungs­re­gu­lie­rung und hat eine beru­hi­gen­de und anti­de­pres­si­ve Wir­kung.
  • Gam­ma-Ami­no­but­ter­säu­re (GABA) unter­drückt schwä­che­re Rei­ze im Gehirn. Dies ist auch die wesent­li­che Wir­kung des Alko­hols. Es ver­mit­telt eine ange­neh­me Ruhe, weil weni­ger Rei­ze nach unse­rer Auf­merk­sam­keit ver­lan­gen und Hin­ter­grund­si­gna­le wie Ner­vo­si­tät, Sor­gen und unter­schwel­li­ge Stress­fak­to­ren aus­ge­blen­det wer­den. Wir kön­nen uns bes­ser kon­zen­trie­ren.
  • Nor­ad­re­na­lin, Ace­tyl­cho­lin und Glut­amat lösen eine ange­neh­me Erre­gung aus und unter­stüt­zen Den­ken, Ler­nen und Erin­ne­rung.9

Extrem­fäl­le emo­tio­na­ler Nicht­ver­füg­bar­keit sind schwe­re Ver­nach­läs­si­gung oder Miss­brauch, aber sie kann auch in klei­ne­rem Umfang dadurch ent­ste­hen, dass ein Eltern­teil bei­spiels­wei­se zu über­ar­bei­tet ist, um Kin­dern sei­ne vol­le Auf­merk­sam­keit zu wid­men.

In vie­len Fäl­len sind Eltern auch ein­fach mit sich selbst nicht im Rei­nen, was ihre Fähig­keit beein­träch­tigt, ihren Kin­dern ver­läss­lich Lie­be und emo­tio­na­le Sicher­heit zu geben. Des­halb wer­den Patho­lo­gi­en wie Alko­ho­lis­mus, Gewalt und Miss­brauch inner­halb von Fami­li­en häu­fig von Genera­ti­on zu Genera­ti­on wei­ter­ge­ge­ben.10

Es gibt inzwi­schen eine Viel­zahl von Stu­di­en, die sich dem Zusam­men­hang zwi­schen nega­ti­ven Kindheits­erfahrungen und spä­te­ren Lebens­pro­ble­men wie Sucht, Krank­heit und Gewalt­tä­tig­keit wid­men. Im August 2017 erschien eine gebün­del­te Aus­wer­tung der Daten einer gan­zen Rei­he sol­cher Stu­di­en aus vie­len Län­dern mit ins­ge­samt mehr als einer Vier­tel­mil­li­on befrag­ter Per­so­nen.11

Die­se Aus­wer­tung frag­te danach, in wel­chem Umfang Men­schen, die vier oder mehr nega­ti­ve Kindheits­erfahrungen erlebt haben, als Erwach­se­ne stär­ker zu Sucht, ande­ren ris­kan­ten und schäd­li­chen Ver­hal­tens­wei­sen oder Krank­hei­ten nei­gen. Zu den erfass­ten Kindheits­erfahrungen gehö­ren unter ande­rem Ver­nach­läs­si­gung und das Auf­wach­sen bei allein­er­zie­hen­den Eltern­tei­len, Alko­hol­miss­brauch in der Fami­lie und Gewalt.

Was das Rau­chen betrifft, zeig­te sich, dass Men­schen mit vier oder mehr nega­ti­ven Kindheits­erfahrungen fast drei­mal so häu­fig zu Rau­chern wur­den wie Men­schen mit weni­ger schwie­ri­gen Kind­hei­ten. Noch deut­lich grö­ßer war der Effekt bei har­ten Dro­gen wie Koka­in und Hero­in, wo sich die Wahr­schein­lich­keit einer Sucht ver­zehn­fach­te. Von den Befrag­ten mit vier oder mehr nega­ti­ven Kindheits­erfahrungen ent­wi­ckel­ten fast sechs­mal so vie­le wie in der Durch­schnitts­be­völ­ke­rung eine Abhän­gig­keit vom Alko­hol.

Auch aus der Hirn­for­schung gibt es Hin­wei­se dar­auf, dass ein hohes Stress­ni­veau in Kind­heit und Jugend die Ent­wick­lung des Gehirns in einer Wei­se beein­träch­ti­gen kann, die das Erle­ben von Sinn und Zuge­hö­rig­keit im oben aus­ge­führ­ten Sinn erschwert: frü­her Stress kann die Beloh­nungs­sys­te­me schwä­chen und eine höhe­re Sen­si­bi­li­tät für wei­te­ren Stress und Ängs­te zurück­las­sen.12

Doch gera­de hier gibt es auch Grund zum Opti­mis­mus, denn jede Genera­ti­on hat die Chan­ce, aus dem Zir­kel zu ent­kom­men. Wür­den sich Patho­lo­gi­en in der Fami­lie end­los fort­schrei­ben, hie­ße das, dass sie sich auch sum­mier­ten. Wäre dies über Tau­sen­de von Jah­ren und Genera­tio­nen gesche­hen, wäre es prak­tisch aus­ge­schlos­sen, dass heu­te noch irgend­je­mand halb­wegs gesund ist.

So wie der Kör­per hat auch die See­le ihre Selbst­hei­lungs­kräf­te, und über die Genera­tio­nen drif­ten wir eher in Rich­tung Gesund­heit als in Rich­tung Krank­heit.

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Aus der Sucht herauswachsen

In der Sucht­for­schung und -behand­lung sind die Mei­nun­gen geteilt, ob Sucht als Krank­heit, als Selbst­me­di­ka­ti­on oder als Ent­schei­dung ein­zu­stu­fen sei. Der schon zitier­te Neu­ro­wis­sen­schaft­ler Marc Lewis wen­det sich über­zeu­gend gegen eine Auf­fas­sung der Sucht als Krank­heit. Der Grund dafür ist in sei­nen obi­gen Zita­ten schon ange­deu­tet: Sucht ist auf der Ebe­ne des Gehirns ein Ergeb­nis nor­ma­ler Lern­pro­zes­se – nur dass es in ihrem Fall ein schäd­li­ches Ver­hal­ten ist, das gelernt wird.

Damit soll Sucht nicht ver­harm­lost wer­den. Aber auch ande­re schäd­li­che Ver­hal­tens­wei­sen, zum Bei­spiel kri­mi­nel­le, sind gelernt und haben zer­stö­re­ri­sche Fol­gen. Eine Krank­heit sind sie des­we­gen nicht.

Doch es gibt noch einen ande­ren Grund, Sucht nicht als Krank­heit anzu­se­hen, der fas­zi­nie­rend ist und Hoff­nung stif­tet. Der Psy­cho­lo­ge Gene M. Heyman gehört zum Lager der­je­ni­gen, die Sucht als Ent­schei­dung inter­pre­tie­ren. Um das zu unter­füt­tern, ver­weist er auf eini­ge unstrit­ti­ge Tat­sa­chen.

Ers­tens: Die meis­ten Süch­ti­gen über­win­den ihre Sucht frü­her oder spä­ter. Zwei­tens: Die meis­ten Men­schen, die ihre Sucht über­win­den, tun das ohne Behand­lung. Drit­tens: Sie tun es aus kon­kre­ten, ratio­na­len Grün­den, etwa um Ange­hö­ri­ge nicht wei­ter zu belas­ten, ihre Gesund­heit zu scho­nen und so wei­ter.

Ohne Behand­lung und aus bestimm­ten Grün­den? Das klingt nicht nach einer Krank­heit.

Hay­man zeigt, dass ver­schie­de­ne Süch­te offen­sicht­lich typi­sche Halb­wert­zei­ten haben:

Im Jahr 4 (nach Ein­set­zen der Sucht) hat­te die Hälf­te der Koka­in­süch­ti­gen auf­ge­hört, in kli­nisch signi­fi­kan­tem Umfang Koka­in zu kon­su­mie­ren; für Mari­jua­na war die Halb­wert­zeit der Abhän­gig­keit sechs Jah­re; beim Alko­hol war sie erheb­lich län­ger, näm­lich 16 Jah­re.13

Mir feh­len die Daten, um eine Halb­wert­zeit für die Ziga­ret­ten­sucht anzu­ge­ben. Sicher ist aber auch hier, dass immer­hin die Hälf­te der Rau­cher ihre Sucht frü­her oder spä­ter über­win­den und hin­ter sich las­sen.14 Die meis­ten von die­sen wie­der­um (76 Pro­zent) schaf­fen es, ohne eine Behand­lung oder sons­ti­ge Hil­fe in Anspruch zu neh­men.15

Dies deckt sich mit der Deu­tung von Marc Lewis. Er sieht Sucht als Aspekt der Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung, oder anders aus­ge­drückt, als bio­gra­phi­sche Pha­se.

Zunächst erscheint die Dro­ge als Ant­wort auf ein bren­nen­des Bedürf­nis; als genau das, was man braucht, um mit dem Leben zurecht­zu­kom­men. Das pas­siert in der Regel in jun­gem Alter. Spä­ter wird die Sucht selbst zum Pro­blem. Irgend­wann ist man dann stark genug und/oder der Lei­dens­druck groß genug, um sich all­mäh­lich auf ein Leben ohne die emo­tio­na­le Krü­cke ein­zu­stel­len, die einen all die Jah­re getra­gen hat, aber damit auch ver­hin­dert hat, dass man lern­te, aus eige­ner Kraft auf­recht zu gehen.

Frau im Sonnenaufgang
Die meis­ten fin­den ohne Hilfs­mit­tel ihren Weg in die Frei­heit

Dazu gehört auch, sich den Ängs­ten und Ver­let­zun­gen zu stel­len, die ursprüng­lich das Bedürf­nis nach der Dro­ge erzeugt haben, von ihr aber nur betäubt wer­den. Indem wir uns mit ihnen aus­ein­an­der­set­zen, holen wir die Rei­fung nach, die wir bis­her ver­passt haben. So packen und über­win­den wir die Sucht an ihrer Wur­zel und ver­schaf­fen uns ein in jeder Hin­sicht bes­se­res Leben.

Unter „Ver­ant­wor­tung über­neh­men“ fin­den Sie Metho­den, um Frie­den mit Ihrer Ver­gan­gen­heit zu schlie­ßen und sich in Form sinn­vol­ler Zie­le für Ihr Leben eine über­zeu­gen­de Alter­na­ti­ve zur Sucht zu schaf­fen.

Der Rat­ge­ber „Ent­zugs­er­schei­nun­gen lin­dern“ zeigt Ihnen, wie Sie durch geschick­te Vor­be­rei­tung deut­lich leich­ter durch den Niko­ti­nent­zug kom­men.

Wenn Sie zunächst mehr über die Niko­tin­ab­hän­gig­keit und Ent­wöh­nungs­me­tho­den wis­sen wol­len, fin­den Sie unter „Mit dem Rau­chen auf­hö­ren“ vie­le Infor­ma­tio­nen in Form von Ant­wor­ten auf die häu­figs­ten Fra­gen zum The­ma.

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